
Schon wieder ist ein Wochenende in Windeseile vorbeigezogen und wie üblich habe ich vieles von dem, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte, dann doch nicht oder nur ansatzweise geschafft.
Mit der Lektüre von »Der letzte Cimamonte« bin ich zum Beispiel nicht so weit gekommen wie erhofft. So faszinierend und sprachlich gelungen das Buch auch sein mag – ein wenig zieht sich die Geschichte schon in die Länge. Positiv aufgefallen ist mir allerdings die Verwendung des Wortes »Melusine«, bei dem ich sofort an Lothar Frohwein, Fischstäbchen und Schluckauf denken musste. Krawehl!
Auch in die Literaturbeilagen von ZEIT und Süddeutscher Zeitung habe ich bisher erst einen kurzen Blick geworfen. Immerhin weiß ich dank des Erscheinens dieser Beilagen, dass bald wieder Buchmesse ist.
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Apropos Leipziger Buchmesse: Gastland ist in diesem Jahr Norwegen und obwohl man an Karl Ove Knausgård oder Thomas Espedal natürlich nie ganz vorbeikommt, wurde im Vorfeld erfreulich viel Augenmerk auf Autorinnen gelegt. In einem halbstündigen Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur kommen hierzulande mehr oder weniger bekannte Autorinnen unterschiedlicher Generationen wie Vigdis Hjorth, Linn Strømsborg, Wencke Mühleisen und Hanne Ørstavik zu Wort.
Ähnliche Namen und Buchtitel begegnen uns in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung (€), wobei hier auch einige interessante Aspekte der norwegischen Literaturförderung erwähnt werden. Zum Beispiel die Organisation NORLA (Norwegian Literature Abroad), die sich – wie der Name schon sagt – um die Verbreitung der Literatur aus dem skandinavischen Land in aller Welt bemüht. Oder der Umstand, dass der Staat von jedem einheimischen Buch – gleich, ob Lyrik, Krimi oder Belletristik – 800 Exemplare kauft und an Bibliotheken bis in den hintersten Winkel des Landes verteilt.
Folgende ins Deutsche übersetzte Bücher werden in der Sendung und im Artikel erwähnt:
- Vigdis Hjorth: Wiederholung; Ein falsches Wort; Die Wahrheiten meiner Mutter (alle bei S. Fischer erschienen und von Gabriele Haefs ins Deutsche übersetzt).
- Linn Strømsborg: Nie, nie, nie (Deutsch von Stefan Pluschkat); Verdammt wütend (Deutsch von Karoline Hippe, beide bei Dumont).
- Wencke Mühleisen: Alles, wovor ich Angst habe, ist schon passiert (Nagel & Kimche, Deutsch von Ina Kronenberger).
- Hanne Ørstavik: bleib bei mir (Karl Rauch Verlag; Deutsch von Andreas Donat).
- Kjersti Anfinnsen: Letzte zärtliche Augenblicke (Septime Verlag; Deutsch von Sabine Richter).
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Gesehen und für sehr empfehlenswert befunden habe ich das ZDF-Biopic »Rosenthal« mit einem bestens aufgelegten Florian Lukas in der Titelrolle.
Ich weiß gar nicht, was mich fassungsloser gemacht hat: Der Umstand, dass Hans Rosenthal, dessen zehnjähriger Bruder von den Nazis ermordet wurde und der selbst die Terrorherrschaft des Nationalsozialismus nur mit viel Glück und dank der Unterstützung dreier mutiger Frauen in Berlin überlebt hat, am 40. Jahrestag des Novemberpogroms (daran hatte beim Sender niemand gedacht bzw. denken wollen) die Jubiläumssendung von »Dalli Dalli« live moderieren musste. Oder aber, dass es am 9. November 1978 erstmals überhaupt eine offizielle Gedenkveranstaltung gab.
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Nicht in die alte Bundesrepublik, in der man es sich in seiner Geschichtsvergessenheit sehr bequem gemacht hatte, sondern in die unmittelbare Nachkriegszeit führt Uwe Neumahrs viel gelobtes Buch »Das Schloss der Schriftsteller«, das ich eigentlich schon längst gelesen haben wollte (da wären wir wieder beim Verrinnen der Zeit). Gut, dass mich ein Beitrag nebst kurzem Interview mit Uwe Neumahr im Blog glasperlenspiel13 wieder daran erinnert hat, das nun bald nachzuholen.
Kommt gut durch die Woche!




