Ich bin so gut wie nie mit Kopfhörern im öffentlichen Raum unterwegs, weil es mir wichtig ist, die Dinge mitzubekommen, die um mich herum geschehen. Das ist weniger einer Übung in Achtsamkeit geschuldet als vielmehr dem Wunsch, nicht überfahren zu werden.
Bei den derzeit herrschenden frostigen Temperaturen mache ich allerdings gerne eine Ausnahme (Straßenverkehr und die sonstige Umgebung behalte ich natürlich dennoch im Blick), da entsprechende Over-Ear-Modelle auch erstaunlich brauchbare Ohrenwärmer sind.
Umso schöner, wenn es zur angenehmen Wärme etwas Interessantes zum Anhören gibt: Zum Beispiel die aktuelle Episode von »Tatort Geschichte« über das mysteriöse Verschwinden des Erfinders Rudolf Diesel von Bord des Passagierdampfers »Dresden« im September 1913. Eine Begebenheit, über die Wes Anderson sicher einen herrlich detailverliebt ausgestatteten Film drehen könnte. Für die Hauptrolle bietet sich Joseph Fiennes an.
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Andere Städte haben Buchmessen, Nürnberg mit der Spielwarenmesse immerhin ein ähnlich sympathisches Aushängeschild mit Holzeisenbahnen, Teddybären und Playmobilmännchen. Dafür wird gerne mit Beflaggung am Frauentorturm geworben – anders als etwa für die Enforce Tac, »Deutschlands Leitmesse für Sicherheit und Verteidigung« (Schirmherr: Friedrich Merz).
Entgegen allerlei Schreckensmeldungen fiel der vorhergesagte Wintersturm hier sehr zahm aus. Graues Schneematschwetter, dazu etwas Regen und mittelstarker Wind – insgesamt kaum der Rede wert.
Deutlich unangenehmer war der Migräneanfall, der mich ab Mittag ins abgedunkelte Schlafzimmer zwang. Am späteren Nachmittag (zum Glück dauern die Attacken bei mir immer nicht allzu lange) war ich dann aber wieder einigermaßen hergestellt und konnte mich später noch an einer brandneuen Folge des Krimi-Podcasts »Kein Mucks!« erfreuen. Standesgemäß wurde die neue Staffel von einem Hörspiel aus der Feder Agatha Christies eröffnet.
Der Todestag der Krimikönigin jährt sich am 12. Januar zum 50. Mal und da passte »Die Stimme aus dem Grab« (Originaltitel »A Personal Call«) in einer SDR-Produktion aus dem Jahr 1961 perfekt. Streckenweise hübsch gruselig und mit dem Charme, den diese alten Radiohörspiele nun einmal an sich haben – aber am schönsten waren auch in dieser Episode wie fast immer die Anmerkungen von Bastian Pastewka.
Samstag, 10. Januar
»In der Nacht hatte es gut dreißig Zentimeter hergeschneit, und immer noch war kein Ende abzusehen.«
~ Bernhard Jaumann: Der Turm der blauen Pferde
Schön, wenn der erste Satz der morgendlichen Lektüre gleich zur Situation vor dem Fenster passt.
Zumindest ein wenig. Von 30 Zentimetern konnte nicht annähernd die Rede sein (höchstwahrscheinlich nicht einmal von drei), aber immerhin schneite es konstant vor sich hin. Genug, um die Lieferung der Wochenendzeitung zu verzögern, weshalb ich am Frühstückstisch im SZ-Magazin ein Interview (€) mit Sven Norqvist (»Petterson und Findus«) las, der genauso sympathisch ist, wie ich es schon immer vermutet hatte.
Und ein Leitmotiv für ein gutes Leben hatte er auch parat: einfach, aber schön sollen die Dinge sein. Oder auf Schwedisch:
»enkelt men vackert«
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Die Zeitung tauchte schließlich noch auf und ich erfreute mich an einem Interview (€) mit Gerhard Polt (wie das mit Sven Nordqvist geführt von Alex Rühle) anlässlich der Beendigung seiner Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen.
Wobei der Anlass eigentlich zweitrangig ist – ein Polt-Interview ist an sich schon immer ein Ereignis.
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Gegen Abend schneite es ein wenig mehr, sogar ein kurzes Schneekehren war nötig.
Keine gute Idee ist es, zwei Tage vor Heiligabend ein Einkaufszentrum aufzusuchen. Aber ich bin unbeschadet wieder rausgekommen und konnte mich neben einem neuen Puzzle1 vor allem darüber freuen, jetzt erst einmal ein Weilchen Ruhe zu haben.
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»Ruhe« war auch das große Thema bei den weiteren Beschäftigungen des Tages:
In der ARD-Mediathek läuft derzeit (bis zum 20. Januar 2026) Wim Wenders‘ exzellenter Film »Perfect Days« über den Toilettenreiniger Hirayama (Kôji Yakusho), der in Tokio ein einfaches, geordnetes Leben mit Büchern, Musik aus den 1970ern (natürlich auf Kassette), Analogfotografie und der Pflege seiner Bonsais führt. Damit ist der schweigsame Japaner durchaus ein Vorbild für mich, wobei ich doch froh bin, zum Duschen nicht jedes Mal ein öffentliches Badehaus aufsuchen zu müssen.
Von überschaubarer Natur ist das Leben im oberfränkischen Dorf meiner neuen Lektüre »Im Schnee« von Tommie Goerz, wobei sich schon auf den ersten Seiten gewaltige Umbrüche bemerkbar machen. Eine ausführliche Besprechung des schmalen Romans gibt es bei der Kulturbowle.
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Eine kurzweilige Begleitung beim Sortieren der ersten Puzzleteile war Teil zwei der bereits erwähnten »Tatort Kunst«-Doppelfolge über»Mona Lisa und ihre Doppelgänger«. Wer keine bahnbrechenden Enthüllungen erwartet, findet hier 90 Minuten lehrreiche Unterhaltung.
In der Zeit »zwischen den Jahren« immer eine willkommene Beschäftigung. ↩︎
Vierter Advent, also höchste Zeit, sich ums Aufstellen und Schmücken des Christbaums zu kümmern. Da der klassische Weihnachtsbaum hier vor einer Weile aus Gründen der Bequemlichkeit durch ein nachhaltiges Modell ersetzt wurde, ließ sich das recht mühelos innerhalb der am kürzesten Tag des Jahres mehr oder weniger hellen acht Stunden und 23 Minuten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erledigen.
Allerdings zeigte sich beim Zusammenstecken des »Baums«, dass auch ein theoretisch ewig haltbares Modell im Laufe der Zeit ein paar Verschleißerscheinungen zeigt, die vor dem nächsten Weihnachtsfest behoben werden sollten1.
Grundsätzlich lohnt es sich aber wohl durchaus, bei der Anschaffung eines Baumersatzes etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Stichwort »Manufakturqualität«.
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Ausgelesen habe ich derweil »Bread of Angels« von Patti Smith. Das hat mir wieder fast so gut gefallen wie einst »Just Kids« und deutlich besser als »M Train« und vor allem »Im Jahr des Affen«.
Die unbefleckte Erinnerung an unerwartete freundliche Gesten2. Sie sind das Brot der Engel.
Wie bereits erwähnt, mochte ich besonders die Passagen, in denen es um die Familiengeschichte ging – beginnend mit der frühen Kindheit bis zu einem spät gelüfteten Geheimnis um die wahre Abstammung der Autorin. Weniger anfangen konnte ich dagegen mit den Episoden, die eher in eine spirituelle bzw. esoterische Richtung tendierten.
Aber das ist Geschmackssache.
Grundsätzlich gilt: Über Patti Smith nur Gutes. Gäbe es mehr Menschen wie sie, hätten wir sicher weniger Probleme auf dieser Welt.
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Gerne gehört habe ich den ersten von zwei Teilen von »Mona Lisa und ihre Doppelgängerinnen« aus dem DLF-Podcast »Tatort Kunst«. Nachgegangen wird der Frage, ob Leonardo da Vinci womöglich mehrere Variationen seines berühmten Gemäldes geschaffen hat. Hängt vielleicht gar nicht die »echte« Mona Lisa im Louvre?
Erinnert mich bitte vor dem 20. Dezember 2026 daran. ↩︎
Schade, dass es im Deutschen keine griffigere Übersetzung für »a random act of kindness« gibt. ↩︎
Schon wieder der dritte Adventssonntag! Es geht in großen Schritten auf Weihnachten zu, fühlt sich aber nicht so recht danach an. An der Weihnachtsbeleuchtung in der erweiterten Nachbarschaft liegt das Fehlen der festlichen Stimmung aber sicher nicht. Da haben sich einige sehr große Mühe gegeben, wobei manchmal eher auf Quantität als auf Qualität gesetzt wurde. Der auf einem Eisbären reitende Weihnachtsmann zum Beispiel gewinnt sicher keinen Designpreis, aber ich freue mich beim Vorbeigehen dennoch jedes Mal über diese herrliche Geschmacksverirrung.
Es lohnt sich auf jeden Fall, nach Einbruch der Dunkelheit ein kleines Ründchen um den Block zu drehen. Der restliche Sonntag darf dann natürlich gerne im Lesesessel verbracht werden.
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Ich lese momentan »Bread of Angels« von Patti Smith, das ich bisher sehr empfehlen kann. Gerade ist die junge Patti ein Grundschulkind und ich bin sehr begeistert von ihren Erinnerungen an die frühen 1950er Jahre, die zwar noch nicht so schrecklich weit zurückliegen, aber doch wie ein Gruß aus einer längst untergegangen Welt wirken. Auf den Straßen fuhren damals die letzten Pferdefuhrwerke, es gab noch Kühlschränke mit echten Eisblöcken, Polioimpfungen und Leierkastenmänner mit livrierten Äffchen als Begleiter.
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Neu auf die Wunschliste geschrieben habe ich dank der überschwänglichen Begeisterung von Daniel Kaiser in eat.READ.sleep. den Roman »Der Traum des Jaguars« von Miguel Bonnefoy. John Irvings »Königin Esther« dagegen ist nun noch ein Stückchen weiter nach hinten gerutscht.
Wer ist denn noch imstande, etwa den Begriff Nachteilzug korrekt zu betonen – oder wäre die falsche Betonung inzwischen nicht die richtige?
Ich hoffe, das Lachen bleibt mir nicht im Halse stecken, denn zu Beginn der neuen Woche habe ich eine längere Bahnfahrt vor mir. Immerhin ohne Umstieg.
Genau einen Tag hielt sich der Goldene Oktober, dann wurde es schon wieder trüb und grau. Trotzdem zeigten sich beim Spaziergang am Wegesrand dann und wann doch ein paar willkommene Farbtupfer:
Gerade bäckt ein Flammkuchen im Ofen und nach dem Essen wartet ein geruhsamer Abend mit Martin Suters „Wut und Liebe“ (das liest sich sehr kurzweilig, aber so recht mag die Geschichte bisher nicht in die Gänge kommen) und dem Rest der neuen Folge von „eat.READ.sleep.“ – da ich dazu neige, bei längeren Podcasts gerne einmal einzuschlafen, brauche ich für eine Episode in der Regel mehrere Abende.
Ein weiterer Höhepunkt der Sendung war das ausführliche Interview mit T. C. Boyle. Auf meine Wunschliste gewandert sind außerdem folgende Bücher:
Charlotte McConaghy: Die Rettung (begeistert besprochen wird das Buch auch bei Zeichen & Zeiten)
Wencke Mühleisen: Alles, wovor ich Angst habe, ist schon passiert
Christian Schünemann: Bis die Sonne scheint
Lesen vor Oleanderkübeln
In der ZEIT wurden in dieser Woche Bücher für den Sommer empfohlen. Einmal mehr dick angestrichen habe ich mir Wolfgang Kemps Essay „Irgendwie so total spannend“, amüsiert hat mich eine Passage in der Besprechung des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Heinrich Böll:
Aber warum wollten die beiden Stars der Nachkriegsliteratur immer nur verreisen? Die unausgesetzten Reisepläne, das schlussfolgert Ingeborg Bachmann, sind im Grunde: „Fluchtpläne“. Die beiden möchten weg aus der deutschsprachigen Welt, in der sich ihre Bücher hervorragend verkaufen, mit der Folge, ständig in Herne oder Siegburg vor Oleanderkübeln aus ihren Werken lesen zu müssen.
Krimis für den Sommer
Sommerzeit, Urlaubskrimizeit! Ein echtes Schwergewicht dieses Genres ist seit geraumer Zeit Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec. Mit „Bretonische Versuchungen“ ist nun bereits der 14. Fall für Kommissar Dupin erschienen, in dem die Inhaberin einer alteingesessenen Confiserie in einem Schokoladenbottich ertränkt wird. Die Aussage des Autors (Interview €), dass ihm die Ideen so schnell nicht ausgehen, dürfte damit als bestätigt gelten.
Wer statt in die Bretagne lieber nach Mallorca reisen oder einfach gerne von vorne mit einer neuen Krimireihe beginnen möchte, für den ist womöglich „Das Teufelshorn“ von Anna Nicholas die richtige Wahl. Zumindest das sehr stimmungsvolle Bild auf dem Cover ist schon einmal sehr einladend.
Mehr Krimitipps für den Sommer gibt es in der aktuellen Folge des immer hörenswerten NDR-Podcasts „eat.READ.sleep.“ – sehr gelungen ist auch das Interview mit Eric Niemann, der unter anderem Geschichten für die legendäre Heftroman-Reihe „Jerry Cotton“ schreibt. Ich habe tatsächlich Lust bekommen, mir demnächst in der Bahnhofsbuchhandlung einen dieser „Groschenromane“ zu kaufen.
Anfang der Woche ging es hier bereits um Nostalgie – Stichwort: Digicam – und gerade angesichts sommerlich warmer (erfreulicherweise noch nicht unerträglich heißer) Temperaturen kommt man um eines der Nostalgiethemen schlechthin nicht herum, nämlich das Eisessen. Auch dabei war bekanntlich früher alles besser: Die Kugel kostete – je nach Geburtsjahr der in Erinnerungen Schwelgenden – wenig bis gar nichts, man begnügte sich mit einer überschaubaren Anzahl an Sorten und Namen sowie Einrichtung der Eisdielen zwischen Kiel und Garmisch unterschieden sich nur in Nuancen.
Dass Eisdielen inzwischen mit immer abenteuerlicheren Sorten aufwarten und neuerdings gerne „Eismanufaktur“, „Eislabor“ oder „Eiswerkstatt“ heißen, war der Welt am Sonntag jüngst einen recht lesenswerten Essay (€) wert. Überrascht hat mich allerdings, dass auch im eigentlich beschaulichen Erlangen Erdbeere-Schokolade-Vanille-Stracciatella-Haselnuss längst nicht mehr genügen:
Im Eiscafé Venezia in Erlangen verkaufen sie jetzt „Gelato Bowls“. Die heißen „Mr. Choc“, „Caramel & Crumble“, „Love U Cherry Much“ und „Harte Nuss“. Und sogar ein Collabo-Eis (Franzbrötchen) in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bäckerei Gulden gibt es.
Die Tage habe ich mir nun die vier Episoden der Wisting-Verfilmung „Der See des Vergessens“ (hier zusammen mit einem weiteren neuen Fall in der Mediathek) angeschaut und war ein wenig enttäuscht. Zwar kam mir die Handlung ein wenig überladen vor und der Bildschirm-Wisting war mir längst nicht so sympathisch wie der aus den Romanen, aber an sich gibt es an diesem zeitgemäß inszenierten Skandinavienkrimi kaum etwas auszusetzen.
Ich glaube vielmehr, dass es an mir liegt. Krimis – egal, ob als Buch oder im Bewegtbild – fesseln mich längst nicht mehr so sehr wie früher. Vielleicht ist es eine vorübergehende Flaute, vielleicht hat man das Genre aber auch einfach irgendwann „durchgespielt“.
Pfingstmontag, 9. Juni
Das verregnete und kühle Pfingstwochenende endete doch noch halbwegs versöhnlich, für so manchen Regenschirm kam die Wetteränderung aber wohl dennoch zu spät:
Das Foto habe ich übrigens mit einer gut 20 Jahre alten Digitalkamera aufgenommen – einer Nikon Coolpix 5900. Auf einigen beliebten Youtube-Fotokanälen wird seit einiger Zeit die Renaissance der handlichen Knipsen aus den frühen 2000er Jahren ausgerufen und abgesehen allerlei offensichtlicher Nachteile (kaum Einstellungsmöglichkeiten, mäßige Bildqualität, quälend langsamer Autofokus) haben die Dinger doch auch ein paar Vorteile. Sie passen in jede Tasche, die Bilder haben einen recht ansprechenden Vintage-Look und tatsächlich macht mir das Fotografieren damit mehr Freude als mit dem Mobiltelefon.
Fürs schnelle Farbfoto und ein wenig Nostalgie zwischendurch also voll okay.
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Sehr gerne gelesen habe ich das Interview mit der äußerst sympathischen Martina Hefter im aktuellen SZ-Magazin (€). Angesprochen auf die leidige Kontroverse bei der Verleihung des letztjährigen Deutschen Buchpreises reagierte sie sehr souverän und gelassen, besonders in Erinnerung bleiben werden mir aus dem Gespräch aber folgende Sätze:
Ich bin anders romantisch. Mich bezaubert, wenn ich mich jemandem im Lachen nah fühlen kann. […] Nebeneinanderher gehen, spazieren, und still wissen, dass der andere die Welt gerade ähnlich empfindet. Das sind so Momente, in denen ich Liebe spüre.
Bisher hatte ich nicht unbedingt das Bedürfnis, „Hey guten Morgen, wie geht es dir“ zu lesen, aber nun ist der Roman doch auf meiner Wunschliste gelandet.
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Ein großes Vergnügen ist dieser schon etwas ältere MDR Kultur-Podcast über den Gothaer Hofbibliothekar und Vielschreiber Heinrich August Ottokar Reichard, der mit seinem „Handbuch für Reisende aus allen Ständen“ im Jahr 1784 einen weithin beachteten Reiseführer herausbrachte. Gut ein halbes Jahrhundert früher also als Karl Baedeker, der gemeinhin als Begründer des Reiseführer-Genres gilt.
Ein Weltenbummler war Reichard, der seine Heimatstadt Gotha kaum einmal verließ, allerdings nicht. Seinen sehr umfangreichen Wissensschatz sammelte er sich durch intensive Lektüre und Gespräche mit vorbeikommenden oder zurückkehrenden Reisenden zusammen. Einige seiner Ratschläge kann man gerne auch heute noch berücksichtigen, andere dagegen lieber nicht (wie das Zunageln von Hoteltüren, um sich in der Nacht vor Dieben zu schützen).
Die Osterwoche ging mit einigen erfreulichen Ereignissen und Begegnungen wie im Flug vorbei. Schön, dass auch die aktuelle Woche wieder eine kurze ist. Grundsätzlich befürworte ich die Häufung von Feiertagen im Frühling sehr – auch und gerade, weil sie den Fürsprechern „der Wirtschaft“ ein Dorn im Auge ist.
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Endlich am Kiosk gekauft und schon beim ersten Durchblättern für gut befunden habe ich die aktuelle Ausgabe von ZEIT Geschichte zu Thomas Mann, der hier in den letzten Tagen und Wochen erstaunlich oft vorkam.
Sehr interessant fand ich den Essay von Kai Sina über die (vorsichtig ausgedrückt) Ablehnung, die dem in die USA emigrierten Thomas Mann aus Deutschland auch lange nach Kriegsende noch entgegenschlug. Thematisch ergänzt sich das bestens mit dem „Schloss der Schriftsteller“, das ich nach wie vor mit großem Interesse lese.
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Hörenswert wie immer ist die neue Folge des Podcasts eat.READ.sleep. – von den vorgestellten Büchern besonders neugierig gemacht hat mich „Good-bye für heute“, der 1928 erschiene Debütroman von Margaret Goldsmith.
Die 1895 geborene Amerikanerin Goldsmith wuchs in Berlin auf, wohin sie auch nach ihrem Studium Anfang der 1920er Jahre wieder zurückkehrte, um als stellvertretende US-Handelskommissarin, Korrespondentin und Schriftstellerin zu arbeiten. Im Jahr 1931 zog Margaret Goldsmith nach London, wo sie für den Rundfunk arbeitete, sich für deutsche Emigrant*innen einsetzte und Werke von Anna Seghers, Oskar Maria Graf, Vicki Baum und Erich Kästner ins Englische übersetzte. (Quelle: Margaret Goldsmith – AvivA Verlag)
Und auch von hier aus lässt sich wieder ein Bogen spannen, denn mit „Leuchtende Jahre“ von Regina Ahrem stellt Barbara in ihrer Kulturbowle ein thematisch bestens passendes Buch vor.
Nach den wunderbaren Vorfrühlingstagen ist es seit einem Weilchen wettermäßig eher grau und unentschlossen. Das allein wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht immer dieser unangenehme kalte Wind wäre.
Zwischendurch ist alles aber wie hier am Neuen Museum doch in ein etwas freundlicheres Licht getaucht:
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Ausgelesen habe ich »Berliner Monster« von Jürgen Tietz. Vor allem durch die sehr ansprechende Covergestaltung bin ich im Buchladen auf die im Berlin des Jahres 1947 spielenden Krimis um Kommissar Hans Adler aufmerksam geworden. Letzten Endes hat sich aber einmal mehr die alte Binsenweisheit never judge a book by its cover bewahrheitet. Insofern hatte ich Glück, dass es damals im Laden nur den zweiten Band der Reihe gab; selbstredend wollte ich von vorne anfangen und wurde in der Bücherei fündig.
Die Beschreibung des in jeglicher Hinsicht zerrütteten Nachkriegs-Berlins und seiner nicht minder gebeutelten Bewohnerinnen und Bewohner hat mir gut gefallen, die Schilderung der zunehmenden Spannungen zwischen Sowjets und Amerikanern in der geteilten Stadt fand ich recht interessant. Sogar die als »Bridge of Spies« bekannt gewordene Glienicker Brücke hat einen kleinen, aber nicht unwichtigen Gastauftritt.
Nicht überzeugt hat mich dagegen – und das ist bei einem Kriminalroman ja doch nicht ganz unerheblich – die Krimihandlung um grausam ermordete bzw. verschwundene Kinder. Letzten Endes sind wie in so vielen anderen historischen Krimis auch in »Berliner Monster« die Verbrechen vor allem der Aufhänger, um etwas Dynamik in die Handlung zu bringen, Personen aus unterschiedlichen Milieus auftreten zu lassen und die Hauptfiguren von A nach B zu lotsen. Im speziellen Fall dienen die jungen Opfer in erster Linie als Aufmacher, um auf das Schicksal der zahllosen zu Waisen gewordenen oder in den Wirren um Kriegsende und Vertreibung von ihren Familien getrennten Kindern aufmerksam zu machen, die entweder unter ärmlichsten Bedingungen in Waisenhäusern ihr Dasein fristeten oder sich gar allein auf der Straße durchschlagen mussten.
Zeit- und Lokalkolorit also hervorragend, Krimihandlung allerhöchstens Durchschnitt.
Bisher habe ich nur kurz hineingelesen und natürlich sagt das nichts darüber aus, ob mir der Roman als Ganzes gefallen wird, aber gleich auf den ersten Seiten geht es um Krähen, die sich überall und immer unverschämter ausbreiten. Das kenne ich von meinen Spaziergängen, damit kann ich direkt etwas anfangen.
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Wie immer hörenswert: Die neue Folge von eat.READ.sleep., diesmal sogar mit etwas Nürnberg-Bezug im Quiz. Die Frage um die Buchhandlung Korn & Berg konnte ich selbstverständlich problemlos beantworten.