
Erst sommerliche Wärme, dann ein Tag für Daunenjacke und Strickmütze und am Karsamstag schon wieder um die 20 Grad. Wer soll sich da noch auskennen? Wie in vielen anderen Bereichen wäre mir auch beim Wetter der gesunde Mittelweg am liebsten – aber der gute alte Kompromiss scheint es derzeit generell etwas schwer zu haben.
Zwischen überraschend entspannten Feiertagseinkäufen (anders als an Weihnachten scheinen die meisten Menschen an Ostern nicht komplett den Verstand zu verlieren) und einem recht schweißtreibenden Spaziergang arbeitete ich zwei alte, neulich beim Aufräumen gefundene Aufbewahrungsboxen auf und verpasste ihnen mit Kreidelack einen neuen Anstrich. Die Teile wurden von meinen Eltern vor 35 bis 40 Jahren in einem bekannten schwedischen Möbelhaus gekauft. Sie sind aus Massivholz und wirklich wertig verarbeitet – über eine solche Qualität kann man heute nur staunen.
Bei der Zeitungslektüre lachen musste ich über einen Satz in diesem sehr lesenswerten Essay über mehr oder weniger misslungene Porträts (€):
Lange Inzucht macht den Adel vielleicht exklusiver, aber nicht unbedingt attraktiver.
Stichwort „Habsburger Unterlippe“.
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Ausgelesen habe ich „Der Mittagstisch“, meinen ersten Roman von Ingrid Noll. Bis zum Ende bin ich gerne dabeigeblieben – vor allem, weil mich die Figuren und der Sprachwitz wie bereits erwähnt an Mariana Leky erinnert haben, die ich sehr mag. Auch die Idee, alle wichtigen Charaktere an einem wochentäglich stattfindenden Mittagstisch (man könnte auch von einem nicht angemeldeten Bewirtungsbetrieb sprechen) zu versammeln, hat mir gut gefallen.
Weniger überzeugt hat mich allerdings die Handlung selbst, die als romantische Komödie mit nur zaghaften ernsten Untertönen zwar flott und mit einigen Wendungen voranschreitet, aber schon arg konstruiert wirkt und teilweise an den Haaren herbeigezogen ist. Recht seltsam fand ich auch, mit welcher Selbstverständlichkeit vor allem die intrigante Nebenbuhlerin der Hauptfigur und Ich-Erzählerin Nelly aus dem Weg geschafft wird – (nicht nur) da ist der Roman ähnlich klischeehaft wie diverse Schmunzelkrimis aus dem Vorabendprogramm.
Trotzdem eine vergnügliche, schnelle Lektüre für zwischendurch.
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FROHE OSTERN!



