

Der Januar ist bisher eine Art meteorologische Wundertüte. Mal schneit es wie im Hochgebirge, mal hat es frühlingshafte zwölf Grad — und das beinahe im täglichen Wechsel. Verwirrend!
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Wenigstens hatte meine erste Lektüre des neuen Jahres einen eindeutig winterlichen Titel. »Echo einer Winternacht« von Val McDermid ist der erste Teil der mittlerweile sieben Bände umfassenden, bereits verfilmten Krimireihe um DS Karen Pirie und ist in der Übersetzung von Doris Styron erstmals 2004 auf Deutsch erschienen. Das Buch stand schon ewig in einem hinteren Winkel des Regals und nun war es an der Zeit, es entweder auszusortieren oder endlich einmal zu lesen.
Kurz vor Weihnachten 1978 stolpern im schottischen Uni-Städtchen St. Andrews vier betrunkene Studenten (die alle Spitznamen aus Songs von David Bowie und Pink Floyd tragen) auf dem Heimweg von einer Party über eine schwer verletzte junge Frau, die kurz nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungskräften stirbt. Da es keine Zeugen des Verbrechens gibt und die Polizei auch keinen anderen möglichen Täter ausfindig machen kann, gelten die vier Freunde zwar nicht unbedingt als Verdächtige, aber andererseits kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass einer oder mehrere von ihnen nicht doch am Mord an der 19-jährigen Rosie Duff beteiligt waren. Die verhängnisvollen Vorfälle dieser Winternacht lassen sie also ebenso wie die Familie der Ermordeten und die ermittelnden Polizisten für lange Zeit nicht los — und als der Fall nach 25 Jahren neu aufgerollt wird, überschlagen sich die Ereignisse ein weiteres Mal.
Für mich war »Echo einer Winternacht« ein gelungener Einstand ins neue Lesejahr und einer der stärkeren Krimis, die mir in letzter Zeit untergekommen sind. Besonders gelungen fand ich den in den späten 1970ern spielenden ersten Teil. Nicht nur fängt Val McDermid die Atmosphäre im eigentlich beschaulichen St. Andrews sehr gekonnt ein, sondern sie beschreibt auch eindrucksvoll, wie sich das Gefüge der zuvor unzertrennlichen Freunde zu verändern beginnt und wie Misstrauen und Zweifel die Beziehungen innerhalb des Grüppchens zu vergiften drohen. Dem Aspekt, welche Folgen Verbrechen für alle Beteiligten haben, wird hier erfreulicherweise deutlich mehr Platz eingeräumt als in den meisten anderen Krimis.
Im zweiten Teil springt die Handlung dann ins Jahr 2003 und gewinnt deutlich an Dynamik. Das Psychologische tritt in den Hintergrund und die Geschichte entwickelt sich in Richtung Thriller mit mehr Action, aber auch einigen Passagen, in denen sich die Autorin gerne etwas kürzer hätte fassen können. Meine Begeisterung hat im Verlauf der mehr als 550 Seiten zwar ein wenig abgenommen, aber dennoch bin ich bis zum Schluss gerne dabeigeblieben.
Ob die in diesem Fall etwas blasse Karen Pirie, immerhin Namensgeberin der Reihe, in den kommenden Bänden eine etwas zentralere Rolle einnimmt, werde ich bestimmt demnächst überprüfen.
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Apropos »verfilmte Krimis und Thriller«: Die Tage habe ich mit »Ich vermisse dich« bei Netflix eine Miniserie nach einem Roman von Harlan Coben (von dem ich bisher noch nichts gelesen habe) angeschaut. Fünf Folgen mit einer etwas arg dick aufgetragenen, aber doch ziemlich spannenden Geschichte. An den ebenfalls seit Anfang Januar bei Netflix zu sehenden, herrlichen neuen Film mit Wallace & Gromit (und dem finsteren Bösewicht Feathers McGraw) kommt die Serie aber natürlich nicht heran.
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Meine nächste Lektüre (das erste und bisher einzige Buch, das ich im neuen Jahr gekauft habe): »Ein Steinpilz für die Ewigkeit« von Hannes Ringlstetter.